27.1.3 Realer Wechselkurs

Viele ökonomische Fragestellungen, insbesondere zum internationalen Handel, sind aber nicht vom nominalen Wechselkurs im engeren Sinne abhängig. Die Frage, in welchem Land ein Gut billiger ist, hat nämlich drei Komponenten: den Preis im Inland, den Preis im Ausland und den Wechselkurs. Für Fragen des internationalen Handels und der Investitionen muss als der Preis im Inland P mit dem in heimische Währung umgerechnete Preis im Ausland S P verglichen werden.

Als realer Wechselkurs bezeichnet man das Verhältnis des Betrags an Inlandswährung, der in Auslandwährung umgetauchst werden muss, um einen repräsentativen ausländischen Warenkorb zu erwerben, zum Wert eines repräsentativen inländischen Warenkobres in Inlandswährung.

Q = S PAusland PInland

Hierbei sind zwei Dinge zu beachten:

  1. Es ist wichtig, den richtigen nominalen Wechselkurs S nehmen, also die Preisnotierung, d.h. wie viel inländische Währung muss ich für eine Einheit ausländischer Währung bezahlen.
  2. Wir vergleichen hier die Preisniveaus, also die von den Statistischen Ämtern bestimmten Preise repräsentativer Warenkörbe, und nicht die Preise einzelner Güter. Bei der Verwendung des realen Wechselkurses in makroökonomischen Modellen geht es um die Betrachtung ganzer Volkswirtschaften und um die Ex- oder Importe als Gesamtheit und nicht um einzelne Branchen. Von daher wird hier auch ein gewichtetes Mittel aller Preise innerhalb der Volkswirtschaften verwendet. Ansonsten müsste man für jede Branche oder jedes Gut einen eigenen realen Wechselkurs ermitteln und das wäre weder praktisch umsetzbar noch den Makromodellen angemessen.

Die Verwendung von Preisindizes repräsentativer Warenkörbe hat natürlich auch Nachteile und muss mit den entsprechenden Vorbehalten betrachtet werden. Zum einen stimmen die Warenkörbe zwischen Volkswirtschaften nicht überein, so dass sich hier im Laufe der Zeit relevante Unterschiede entwickeln können. Zum anderen entsprechen die Gewichte der repräsentativen Warenkörbe normalerweise ungefähr den Umsätzen im jeweiligen Inland. Dies unterscheidet sich meist relativ deutlich von den Umsätzen bei ex- bzw. importierten Gütern. Somit ist der Preisindex des repräsentativen Warenkorbes nur ein verzerrter Maßstab für die Berechnung des realen Wechselkurses für den internationalen Handel. Dabei ist die Verzerrung umso stärker, je mehr die durchschnittliche Preisentwicklung bei Ex- und Importgütern von der durchschnittlichen des Inlandes abweicht. Das dritte Problem bei der Verwendung repräsentativer Warenkörbe ist das des Ausgangsniveaus. Während sich die Veränderungsraten relativ gut vergleichen lassen (unter Berücksichtigung der ersten beiden caveats), ist es nicht möglich einen abgesicherten Preisindexvergleich eines einzelnen Jahres zu machen, da es für einen Index keinen natürlichen Referenzpunkt gibt. Häufig behilft man sich mit dem langfristigen, trendbereinigten Mittelwert.


(c) by Christian Bauer
Prof. Dr. Christian Bauer
Lehrstuhl für monetäre Ökonomik
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