27.1.2 Wechselkurspolitik

Grundsätzlich wäre es natürlich wünschenswert, stabile Wechselkurse zu haben. Für Privatleute mag das Reisen und der Urlaub im Vordergrund stehen. Für das Wirtschaftswachstum sind der internationale Handel und grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Investitionen relevant, die von einer besseren Planbarkeit der zukünftigen Finanzströme deutlich profitieren würden. Schwankungen in Wechselkursen haben vor allem drei negative Effekte:

  1. Wenn Wechselkurse sich stark ändern, dann kann es sein dass Ressourcen nicht optimal alloziiert werden. Es kann sein, dass Investitionen nicht dort getätigt werden, wo möglichst effizient Ressourcen genutzt werden können oder dass sich die Produktion in einer Anlage plötzlich nicht mehr lohnt, weil die erzielten Erträge auf dem Weltmarkt (in USD oder ) die Kosten auf dem heimischen Markt nicht mehr decken, und Investitionsruinen entstehen.
  2. Um langfristige Handelsverträge und Investitionen zu planen ist es nötig die zukünftigen Cashflows einzuschätzen. Bei schwankenden Wechselkursen existiert hier eine zusätzliche Quelle für erhebliche Unsicherheiten, die somit ökonomisch sinnvolle Tätigkeiten erheblich dämpfen und wohlstandssenkend wirken.
  3. Die Absicherung gegen diese Schwankungen kostet die Unternehmen Geld. Je nachdem wie lange die Absicherung laufen soll und wie stark die erwarteten Schwankungen sind können diese Kosten sehr erheblich sein und ansonsten sinnvolle Investitionen und Projekte verhindern.

Die Behebung dieser Probleme ist eine der Hauptgründe für politische Entscheidungen zur Stabilisierung von Wechselkursen, wie beispielsweise in der Eurozone. Hier werden innerhalb einer bestimmten Gruppe die Wechselkurse untereinander fixiert (ein französische Euro ist immer so viel wert wie ein deutscher), aber zu Währungen außerhalb der Gruppe bleibt die Flexibilität erhalten. So hat der Euro in den ersten 10 Jahren seiner Existenz gegenüber dem US Dollar bereits um 25% abgewertet und dann 85% aufgewertet, nur um dann wieder 30% abzuwerten. Dabei sind Schwankungen von 37% in einem Jahr (ab Januar 2002) vorgekommen. Die Erfolge in Form einer intensiveren grenzüberschreitenden ökonomischen Aktivität und höheren Wachstumsraten sind empirisch vielfach nachgewiesen.

Zugleich zeigt sich jedoch auch die Schwäche der Fixierung von Wechselkursen. Diese sind nämlich einer der Ausgleichsmechanismen zwischen Volkswirtschaften, die sich unterschiedlich entwickeln. Vereinfacht gesagt, wird die Währung einer Volkswirtschaft, der es schlecht geht, abwerten, d.h. für eine Einheit der heimischen Währung muss weniger ausländische Währung bezahlt werden. Deshalb werden Güter, die diese Volkswirtschaft exportieren will, billiger und damit stärker nachgefragt, wieder um die Wirtschaft ankurbelt. Umgekehrt ist es bei boomenden Nationen, deren steigende Wechselkurse das Wachstum dämpfen. Eliminiert man diesen Ausgleichsmechanismus durch die Fixierung von Wechselkursen, dann muss man andere Mechanismen schaffen oder vorhandene stärken.2

Das magische Dreieck der Geldpolitik beschreibt den Zielkonflikt zwischen den drei Hauptzielen der internationalen Dimension der Geldpolitik:

  1. freier Kapitalverkehr: Nur bei freiem Kapitalverkehr ist eine effiziente und wohlstandsfördernde Allokation der unternehmerischen Ressourcen möglich. Eine Einschränkung des Kapitalverkehrs impliziert immer ein geringes Wirtschaftswachstum.
  2. autonome Geldpolitik: Autonome Geldpolitik bedeutet, dass inländische Institutionen frei über geldpolitische Maßnahmen entscheiden können und sich nicht nach der Geldpolitik des Auslandes richten müssen. So könnte in einer Rezession beispielsweise durch Zinssenkungen die Wirtschaft wieder angekurbelt werden. Im Falle einer an einem Wechselkursziel ausgerichteten Geldpolitik ist dies nicht ohne weiteres möglich.
  3. stabile Wechselkurse: Die Vorteile dieses Ziels sind oben ausführlich beschrieben.

PIC

Der Zielkonflikt besteht nun darin, dass nicht alle drei Ziele gleichzeitig erreicht werden können, sondern immer nur zwei. Möchte man eine autonome Geldpolitik betreiben und freien Kapitalverkehr zulassen, dann können die Wechselkurse nicht fixiert bleiben. Fixe Wechselkurse und autonome Geldpolitik erfordern Kapitalverkehrsbeschränkungen und freier Kapitalverkehr geht nur mit fixen Wechselkursen zusammen, wenn die Geldpolitik sich nach der Geldpolitik des Ankerlandes richtet.

Warum ist das so? Stellen wir uns vor, in einer Gleichgewichtssituation findet eine Zinserhöhung im Ausland statt. Dann steigt die Attraktivität dieser Währung als Anlage, da ja die Rendite steigt. Dadurch steigt die Nachfrage nach dieser Währung (freier Kapitalverkehr) und somit ihr Preis, der Wechselkurs. Möchte die Notenbank den Wechselkurs stabil halten, hat sie drei Möglichkeiten: (1) den Anstieg der Nachfrage verhindern durch die Einschränkung des freien Kapitalverkehrs, (2) dem Anstieg der Nachfrage durch eine Erhöhung des eigenen Angebotes (Devisenmarktintervention) entgegenwirken oder (3) ebenfalls über eine Zinserhöhung den relativen Attraktivitätsunterschied wieder auszugleichen (nicht autonome Geldpolitik).

Im Folgenden sollen zunächst drei elementare Wechselkurstheorien kurz besprochen werden: die Zinsparitäten-, die Kaufkraftparitätentheorie und das AA-DD Modell. Dabei betrachtet die Zinsparität vornehmlich die kurze Frist, hält P und Y fix und beleuchtet den Zusammenhang zwischen RInland, RAusland, S und Se. Die Kaufkraftparität analysiert hingegen den langfristigen Zusammenhang von PInland, P

AuslandundS,wobeiPalsflexibelundYalsfixangesehenwerden.ImAADDModel(GütermarktAssetmarktModell)wirdbeifixemPundflexiblemYindermittlerenFristderZusammenhangzwischenSundYanalysiert.

2Die Theorie Optimaler Währungsräume (OCA-Theory, Optimal Currency Areas) befasst sich mit genau diesem Themenkomplex.


(c) by Christian Bauer
Prof. Dr. Christian Bauer
Lehrstuhl für monetäre Ökonomik
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