27.1.1 Devisenmarkt und nominaler Wechselkurs

Der nominale Wechselkurs ist das Austauschverhältnis zweier Währungen, also die Antwort auf die Frage: Wieviele US Dollar erhalte ich für einen Euro? Er bildet sich durch Angebot und Nachfrage an den beiden Währungen auf dem Devisenmarkt. Angebot und Nachfrage werden durch die Bezahlung realer Güterströme (geschätzter Anteil <10%) oder durch reine Anlageentscheidungen auf dem Kapitalmarkt (geschätzter Anteil >90%) induziert. Private Akteure werden dabei vor allem durch drei Arten von Motiven beeinflusst:

  1. Reale Transaktionen: Terms of Trade
  2. Anlageentscheidungen: Rendite, Diversifikation, Zinsen
  3. Spekulation: Erwartete Wechselkursänderungen

Der Devisenmarkt ist ein besonderer Markt. Zum einen gibt es einen besonderen Akteur, die Notenbank, und zum anderen ist der Markt symmetrischer als eine normaler Gütermarkt. Beim Devisenhandel geht es nicht um ein Gut, das ein Produzent herstellt, und ein Konsument für Geld kauft, also Angebot und Nachfrage klar definiert sind. Vielmehr handelt es sich um einen Tausch, bei dem die Nachfrage nach der einen Währung zugleich das Angebot an der anderen Währung ist, und umgekehrt. Jeder private Akteur auf dem Devisenmarkt ist also zugleich Anbieter und Nachfrager. Dies macht die Situation deutlich symmetrischer als auf normalen Gütermärkten.

Zudem tritt die Notenbank als besonderer Akteur in Erscheinung. Es gibt sonst keinen Markt, in dem ein Akteur eine solch außerordentlich Position inne hat. Erstens hat die Notenbank eine sehr große Marktmacht aufgrund der hohen Devisenbestände. Sie kann also sowohl als Nachfrager nach der eigenen Währung auftreten, indem Sie Devisen gegen eigene Währung verkauft, wie auch als Anbieter, wenn sie eigene Währung gegen Devisen verkauft. Gerade als Verkäufer hat sie, zweitens, die besondere Fähigkeit das „Verkaufsgut“in nahezu unbegrenzter Menge zu verschwindend kleinen Kosten zu produzieren.1 Jede Notenbank kann die eigene Währung schöpfen, indem sie die Geldscheine frisch druckt oder am Computer auf Notenbankkonten der Banken gutschreibt. Zudem ist die Notenbank i.d.R. der einzige „Hersteller“dieses Geldes. Während es im einzelnen natürlich vergleichbare Akteure auf unterschiedlichen Märkten gibt, z.B. große Akteure wie Blackrock auf dem Kapitalmarkt (Marktmacht) oder Monopolisten (Marktmacht, einziger Hersteller, Grenzkosten nahe Null bei z.B. Software), gibt es für die nächsten beiden besonderen Eigenschaften der Notenbank nur unzureichende Äquivalenzen. Drittens kann die Notenbank nämlich durch die Änderung der Zinsen oder die Beeinflussung der Zinserwartungen direkt die ANreize für Käufer und Verkäufer beeinflussen. Während normale Unternehmen auf Märkten nur indirekt über Marketing die Präferenzen und damit die Nachfrage beeinflussen können, kann die Notenbank (zumindest in normalen Zeiten mit positiven Zinssatz) die Nachfrage nach der eigenen Währung sehr direkt beieinflussen, in begrenztem Rahmen sogar steuern. Viertens kann die Notenbank, wenn man sie als Einheit mit der Regierung betrachtet, über Kapitalverkehrskontrollen den Handel gesetzlich regulieren. Das wäre wie wenn Coca Cola allen Gastwirten vorschreiben dürfte, dass sie mittags kein Bier mehr sondern nur noch Wasser oder Cola verkaufen dürften. Bislang können Unternehmen zum Glück solche Regelungen nur über Lobbyarbeit beeinflussen. Die effektivste und effizienteste Methode von Notenbanken zur Steuerung der Märkte ist jedoch nicht ein tatsächlicher Eingriff (1-4), sondern vor allem die Beeinflussung der Erwartungen der Marktteilnehmer, damit diese sich in einer Weise verhalten, dass das von der Notenbank gewünschte Ergebnis eintritt.

1Hier sind die monetären Kosten angesprochen, nicht Kosten in dem Sinne, dass eine expansive Geldpolitik die Inflation anheizt und so dazu führen kann, dass die Notenbank ihr Preisstabilitätsziel nicht oder nicht so einfach erreichen kann.


(c) by Christian Bauer
Prof. Dr. Christian Bauer
Lehrstuhl für monetäre Ökonomik
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