27.1 Grundlagen und Vormbemerkungen

  27.1.1 Devisenmarkt und nominaler Wechselkurs
  27.1.2 Wechselkurspolitik
  27.1.3 Realer Wechselkurs

Wechselkurse sind eines der vielseitigsten und faszinierendsten Phänomene der Volkswirtschaftslehre. Jeder hat schon mal etwas davon gehört oder im Urlaub gar erlebt. Aber kaum jemand versteht die Ursachen, die die Entwicklung von Wechselkursen treiben. Dies hat zum einen mit der Vielschichichtigkeit und anscheinenden Widersprüchlichkeit der unterschiedlichen Theorien zu tun, die Wechselkurse aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. So kann es durchaus sein, dass ein Ereignis oder eine Politikmaßnahme für einen kurzfristigen Anstieg aber langfristiges Absinken eines Wechselkurses sorgt. Es macht einen großen Unterschied in der Prognose, ob man ein makroökonomisches Modell, dass die individuellen Entscheidungen bereits aggregiert hat, betrachtet oder ein Mikromodell, dass Spezifika eines Marktes berücksichtigt und z.B. Herdeneffekte modelliert. Werden Erwartungen mit in die Kalkulation miteinbezogen, so kann sich das ursprüngliche Ergebnis sogar umkehren (siehe z.B. Backloading), weil die heutige Reaktion auf erwartete Ereignisse aufgrund aktueller Maßnahmen sogar stärker ausfallen können als der direkte Effekt dieser Maßnahme. Notenbanken können versuchen Wechselkurse zu manipulieren oder zu fixieren und im Rahmen von Wechselkurskrisen finden teils gewaltige Ereignisse auf den Finanzmärkten statt, die sich in Ausmaß und Geschwindigkeit nicht mit den klassischen Modellen erklären lassen, aber dennoch enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft und das täglich Leben haben.

In diesem Onlinelehrbuch werden wir uns auf die grundlegenden makroökonomischen Modelle beschränken. Diese sind neben den elementaren Ansätzen Kaufkraftparotäten- und Zinsparitätentheorie, das AADD-Modell für die mittlere Frist, das Monetäre Modell und das Mundell Fleming Modell. Allgemeine Gleichgewichtsmodelle modernerer Art (DSGE oder CGE Modelle) sowie Modelle, die speziell Krisen analysieren, werden nicht behandelt.


(c) by Christian Bauer
Prof. Dr. Christian Bauer
Lehrstuhl für monetäre Ökonomik
Universität Trier
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